Meine Suche nach der richtigen Nähmaschine + Erfahrungsbericht zur Pfaff Passport 3.0

Nähmaschine

Die Suche nach der richtigen Nähmaschine hat mich Anfang des Jahres vor eine große Herausforderung gestellt. Meine bisherige Einsteiger-Nähmaschine (W6 N1235/61) ist bei mehreren Stofflagen Bouclé an ihre Grenzen gekommen und hat nicht mehr weitergenäht. Daher habe ich mich (nach 8 Jahren!) dazu entschieden in eine neue Nähmaschine zu investieren. Doch die riesige Auswahl an unterschiedlichen Herstellern, Maschinentypen und Funktionen haben mich etwas überfordert. Braucht man die wirklich alle?

Auswahlkriterien für die Nähmaschine festlegen

Daher habe ich mir überlegt, welche Voraussetzungen meine neue Nähmaschine wirklich erfüllen muss. Bei mir liefen diese Überlegungen nicht wirklich im Vorfeld, sondern zum Teil auch parallel zum Probenähen ab. Aber ich würde empfehlen, sich diese Gedanken zu machen, bevor man sich mit der Auswahl der Maschinen befasst. Das erspart einfach Zeit und Arbeit. Ihr könntet euch außerdem vorab ein fixes Budget setzen.

Nähmaschine

Was habe ich bisher genäht?

Unkomplizierte Schnitte aus Jersey, für die ich zum großen Teil meine Overlock (W6 N454D) nutze, damit die Nähte direkt versäubert werden. Hin und wieder eine Jacke oder einen Mantel aus dickerem Stoff, z.B. zuletzt meine Jacke Frida, die mit mehreren Schichten Bouclé meine alte Nähmaschine an ihre Grenzen gebracht hat. Da hat sie einfach nicht mehr weitergenäht. Außerdem Rucksäcke und Taschen, die auch gerne mal aus einem festerem Material sind und die man unter der Maschine durchquetschen muss. Aber auch feinere Sachen, wie Blusen und Tops aus Webware.

Welche Kriterien ergeben sich daraus?

  • ausreichend großer Stoffdurchgangsraum
  • ausreichend viel Platz unter dem Nähfuß
  • integrierter Stofftransport (Ober- & Untertransport)
  • Reißverschluss-Nähfuß
  • Knopflochautomatik

Außerdem sollte man die räumlichen Gegegebenheiten berücksichtigen. Meine Maschine steht offen sichtbar in unserem Wohnzimmer, ich schaue also jeden Tag darauf. Meinen Nähplatz baue ich hin und wieder ab und woanders auf, was für eine leichte Maschine spricht. Da ich zukünftig auch gerne mal an einem Nähcamp teilnehmen würde, möchte ich mit der Nähmaschine verreisen können.

  • wenig Gewicht
  • optisch ansprechend
  • ggfs. Transportbox

Recherche und Preisvergleich

Erfahrungsberichte in Foren

Bei der Recherche habe ich mir in verschiedenen Foren (z.B. Anne Liebler ist die Hobbyschneiderin und hobbyschneiderin24.net) einige Erfahrungsberichte durchgelesen. Am interessantesten war hier für mich die Erkenntnis, dass eine Nähmaschine wartungstauglich sein muss. Zum Beispiel ist die Software einer elektronischen Nähmaschine auf Updates angewiesen. Dies sollte man beim Kauf berücksichtigen, um nicht nach ein paar Jahren wieder eine neue Nähmaschine kaufen zu müssen. Aber auch das grundsätzliche Verhalten der Hersteller bei Wartung und Garantie war ein Punkt, den ich im Hinterkopf behalten wollte.

Probenähen Juki HZL-DX5

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zum Testen die Juki HZL-DX5 vom Nähpark zu Hause stehen. Die Maschine ist ein schwerer Alleskönner, mit zahlreichen Funktionen. Wenn ich mich richtig erinnere, konnte man sogar das Fußpedal programmieren. Die Maschine hat einen besonderen Stofftransport (nennt sich “Boxtransport”) und wird z.B. von Pattydoo empfohlen.

Aber sie ist auch ziemlich hochpreisig. Zudem ist mir beim Testen aufgefallen, dass die Maschine ein ganz leises elektronisches Summen von sich gibt. Ich bin von meiner Einsteiger-Nähmaschine bisher absolute Ruhe gewohnt gewesen. Kennt ihr das, wenn man sich auf ein Geräusch konzentriert und es einen irgendwie wahnsinnig macht?

Nach ein paar Tagen Probe-Nähen wurde mir jedenfalls klar, dass ich mich nicht an dieses Geräusch gewöhnen würde. Grundsätzlich mag ich Tech-Gadgets und elektronische Funktionen, aber eine Nähmaschine von einem solchen Kaliber war gefühlt einfach zu viel für mich. Obwohl ich gespart hatte, wollte ich einfach keinen 4-stelligen Betrag für eine Nähmaschine ausgeben. Und plötzlich wurde mir klar, dass diese Maschine einfach nicht das Richtige für mich ist.

Grundsätzlich kann ich den Nähpark sehr empfehlen. Dort kann man die Maschinen mehrere Wochen testen und der Kundenservice sowie die Abwicklung sind sehr nett. Mein Vergleich hat gezeigt, dass sie auch beim Preis unschlagbar sind.

Recherche zu Pfaff Nähmaschinen

Meine Suche ging also weiter. Ab jetzt sollte alles etwas einfacher sein. Im Grunde möchte ich ja eigentlich nur meine Ruhe haben und geradeaus nähen können 🙂 Also bin ich gedanklich noch einmal zurück zu meinen Wurzeln gekehrt. Mein Opa und später meine Mama haben auf einer eisernen/metallenen Pfaff genäht. Diese Maschine gibt es immer noch, ich selber habe auch darauf nähen gelernt. Schon beeindruckend, wenn eine Maschine drei Generationen (und vllt. auch noch länger?) hält.

In den Foren fand ich Erfahrungsberichte zu den aktuellen Maschinen von Pfaff. Diese werden mittlerweile leider hauptsächlich aus Plastik und in China gefertigt, was viel kritisiert wird. Gelobt wird der IDT Transport, also der Stofftransport, der gleichzeitig oben und unten stattfindet und das klare Stichbild. Bemängelt wird, dass die Maschinen zum Teil empfindlich sind und zum Beispiel gerne mal Stoff “fressen”.

Meine Wahl: Pfaff Passport 3.0

Ich habe weitere Erfahrungsberichte zu den Maschinen von Pfaff gelesen und mir die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle angeschaut und bin schließlich bei der Pfaff Passport 3.0 gelandet.

Nähmaschine Pfaff Passport 3.0

Flexibilität & beidseitiger Stofftransport

Die Maschine wird mit einer robusten Abdeckung geliefert (“Kofferhaube”), wiegt nicht viel (6,3 kg) und lässt sich leicht transportieren. Der Stoffdurchgangsraum ist dafür aber ehrlich gesagt nicht viel größer als bei meiner alten Nähmaschine. Dies habe ich zugunsten der Transportfähigkeit in Kauf genommen. Das integrierte IDT-System sorgt für einen gleichmäßigen Stofftransport und kann einfach hinzu oder weggeschaltet werden, ich muss also nicht extra einen separaten, “externen” Obertransport anbauen.

Stofftransport mit IDT-System

Hohe Nähfußposition & Knopflochautomatik

Zudem gibt es eine extra hohe Nähfußposition, damit kann ich auch unhandliche Taschen oder dicke Mantelstoffe unter die Maschine bekommen. Eine automatische Knopflochautomatik ist ebenfalls vorhanden. Hier muss man nur noch den Knopf in den Spezial-Nähfuß einspannen und die richtige Größe wird automatisch ermittelt.

Passport 3.0 im Vergleich zu 2.0

In vielen Erfahrungsberichten wurden die Passport 2.0 und 3.0 verglichen. Die Passport 3.0 ist ca. 100€ teurer und bietet dafür einen elektronischen Fadenabschneider und eine größere Stichauswahl. Wer darauf verzichten möchte, kann hier also sparen. Ich finde jedoch die Passport 3.0 (in weiß) optisch ansprechender und wollte mir mit dem elektronischen Fadenabschneider wenigstens ein kleine elektronische Extrafunktion gönnen.

Vor-Ort-Kauf im Fachgeschäft

Obwohl ich Recherche und Preisvergleich im Internet vorgenommen habe, habe ich mich kurzfristig dazu entschieden die Maschine in einem kleinen Nähmaschinenladen in meiner Heimatstadt Moers (Nähmaschinen Ploenes) zu kaufen. Ich habe glaube ich ~30€ mehr gezahlt als im Netz. Aber dafür konnte ich vor Ort Probenähen, habe alles gezeigt bekommen und sie haben noch ein paar zusätzliche Unterfadenspulen draufgelegt.

In den Laden habe ich als Kind schon meine Mutter begleitet, wenn ihre Pfaff in die Wartung musste. Ich schätze gute Mechaniker, vor allem, wenn sie Nähmaschinen reparieren können und hoffe, dass der Laden noch lange weiterbesteht. Nichts ersetzt einen fachkundigen, flexiblen und persönlichen Service vor Ort.

Mein Erfahrungsbericht zur Pfaff Passport 3.0

Pfaff Passport 3.0

Vorteile

Ich nähe jetzt ca. ein halbes Jahr auf meiner Passport 3.0. Der Stofftransport ist unschlagbar und das Stichbild sehr sauber. Außerdem habe ich mich schon ein paar Mal über die extra hohe Nähfußposition gefreut, denn dann fällt es leichter unhandliche Teile wieder unter der Maschine hervorzuholen.

Der automatische Fadenabschneider ist insofern cool, als dass er die Nähte auf eine Seite zieht und gleichmäßig abschneidet. Wer so einen Fadenabschneider schon einmal genutzt hat, weiß, dass dabei immer noch 2-3 cm lange Fäden stehen bleiben. Das ist auch logisch, denn wie soll das Messer bis an den Stoff kommen, wird aber oft kritisch gesehen. Man muss dann ja trotzdem noch mit der Schere nachschneiden, um den Fadenrest komplett zu entfernen. Ich finde ihn dennoch hilfreich, weil das Nähgut leichter unter der Maschine hervorgeholt werden kann, wenn der Faden schon abgeschnitten ist. Dadurch, dass die Fäden auf eine Seite gezogen werden, ist auch das Nacharbeiten einfacher.

Kürzlich habe ich auch die Knopflochautomatik das erste Mal eingesetzt, das hat nach ein paar Probeläufen ebenfalls super geklappt. Knöpfe kann man theoretisch ebenfalls mit der Maschine annähen, aber das habe ich noch nicht ausprobiert.

Nachteile

Nachteilig ist mir bisher aufgefallen, dass der Faden sich am Anfang einer Naht gerne mal verwurschtelt und sich dann ein Knubbel bildet. Dem kann man entgegenwirken, indem man den Faden am Anfang der Naht leicht hochhält. Außerdem kam es bei dünneren Materialien schon häufiger vor, dass die Nähmaschine den Stoff eingezogen hat. Hier könnte ich noch gegensteuern, indem ich mir eine andere Stichplatte (“Rundlochstichplatte” für ca. 25€) für dünnere Stoffe zulege. Mal sehen, vielleicht wünsche ich mir die einfach zu Weihnachten.

Fazit

Ich bin immer noch sehr zufrieden mit meiner Wahl. Die Nähmaschine passt sehr gut zu meinen Bedürfnissen und es näht sich einfach super darauf. Sie ist gut ausgeleuchtet und im Gegensatz zu meiner alten Maschine sehr leise. Ich hoffe, dass sie noch lange hält 🙂

Tipps für die Suche nach der richtigen Nähmaschine

Die Suche nach einer neuen Nähmaschine ist eine sehr persönliche Sache und kann unter Umständen ein langer Prozess werden. Dabei muss jeder für sich selber entscheiden, auf welche Funktionen und Kriterien bei der Auswahl der Nähmaschine Wert gelegt werden soll. Was für den einen wichtig ist, kann für den anderen Schnickschnack sein.

Daher kann ich an der Stelle nur raten: Überlegt euch, bevor ihr euch in den Strudel der Möglichkeiten werft, einfach ganz in Ruhe, was ihr für eure Nähprojekte benötigt und welche Kriterien eure Nähmaschine erfüllen muss. Dadurch wird es bei der Suche etwas leichter, sich durch die überwältigende Auswahl und vielen Funktionen zu wühlen, die die verschiedenen Hersteller anbieten und gezielt auszusortieren. So findet ihr sicher eine für euch passende Nähmaschine. Ich wünsche euch ganz viel Erfolg und hoffe, dass mein Bericht euch bei eurer Suche und Entscheidungsfindung für eine neue Nähmaschine helfen kann.

Wenn ihr ebenfalls noch einen Tipp rund um die Suche nach einer neuen Nähmaschine habt, dann teilt ihn gerne in den Kommentaren.

4 Kommentare bei „Meine Suche nach der richtigen Nähmaschine + Erfahrungsbericht zur Pfaff Passport 3.0“

  1. Freut mich zu lesen, dass Du für Dich die passende Maschine gefunden hast. Ich war ja gespannt, was es wird… als Du vor einiger Zeit schon Mal darüber schriebst. Ich hatte übrigens die gleiche Maschine von W6 zum Einstieg. Ich habe sie sehr gemocht, sie ist durch alles durch. Sie war nur irgendwann zu klein, ich habe die Sachen nicht mehr unter den Nähfuß bekommen. Liebe Grüße Manuela

    1. Ich finde die Maschinen von W6 – nicht zuletzt wegen der 10 Jahre Garantie – echt gut. Man merkt aber dann nach einiger Zeit richtig, wie man der Einsteigermaschine entwächst. So wie du es beschreibst, ging es mir ja auch, irgendwann kommt man durch die vielen Lagen Stoff nicht mehr durch. Und obwohl meine Pfaff jetzt auch wieder eher ein einfaches Modell mit wenigen Funktionen ist, so hat sie zumindest einen extra erhöhten Nähfuß. Damit bin ich für das nächste Mantelprojekt gerüstet.
      Liebe Grüße
      Jenny

  2. Das war sehr interessant zu lesen! Ich nähe ja immer noch auf der alten Pfaff meiner Mama und mag mir gar nicht vorstellen, dass die irgendwann nicht mehr geht. Sie hat ihre Macken (frisst auch gerne dünne Stoffe, Jersey ist so eine Zacke weil natürlich kein Obertransport usw) aber ich komme gut mit ihr zurück. Und mir graut es vor einem Gerät mit unzähligen Knöpfen, elektronischem Gepiepse und Updates … aber sicherlich lässt sich auch abseits davon etwas finden.
    Schön, dass du für dich offenbar die perfekte Maschine gefunden hast und auch so begeistert davon bist 🙂 Ich wünsche uch ganz viele wunderbare Nähjahre! LG Julia

    1. Danke sehr! Bei mir war es sicher auch ein Stück Nostalgie bzw. ein Familiending, dass ich mich schlussendlich doch für eine eher einfachere/kleinere Pfaff entschieden habe. Wenn Opa und Mama schon auf einer genäht haben, kann das nicht so falsch sein 🙂 Wobei ich es auch verstehe, dass die größeren Maschinen mit umfangreichen Funktionen so ihren Reiz ausüben können. Letztendlich wird bei der großen Auswahl wohl jeder die “Richtige” finden. Man muss nur in sich hineinhorchen und herausfinden, welche Kriterien einem wichtig sind.
      Ganz liebe Grüße!
      Jenny

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